20 Jahre Licht-Blicke

2002 begann in Lichtenberg die Netzwerkstellenarbeit mit dem Ziel zivilgesellschaftliches Engagement zu stärken und extrem rechten Strukturen etwas entgegenzusetzen. Mit ehemaligen Kolleg*innen werfen wir einen Blick zurück. Was waren Herausforderungen und Meilensteine? Hier sprechen wir mit Andreas Wächter

Im Rahmen des damaligen Bundesprogramms “CIVITAS – Initiative gegen Rechtsextremismus in den neuen Bundesländern” gab es auch für die Berliner Ostbezirke die Möglichkeit Netzwerkstellen aufzubauen, um demokratische, menschenrechtsorientierte Handlungsstrategien vor Ort zu entwickeln. In Pankow, Treptow-Köpenick, Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf bestehen diese Projekte noch heute. Bei ihnen sind u.a. die Koordinierungsstellen der Partnerschaften für Demokratie, die Regiszerstellen und verschieden Projekte der politischen Bildungsarbeit angesiedelt. 

 

Bevor Andreas Wächter Geschäftsführer unseres Trägers pad gGmbH wurde hat er ab 2007 den Lokalen Aktionsplan im Weitlingkiez aufgebaut und koordiniert. Die Aktionspläne im damaligen Bundesprogramm “Vielfalt tut gut” waren die Vorläufer der heutigen Partnerschaften für Demokratie im Bezirk. Neben den zahlreichen Netzwerken in Lichtenberg ist der Rückhalt unseres Trägers eine wesentliche Basis für unsere Arbeit.

Mit Licht-Blicke wurde der Grundstein des Demokratiebereiches im Träger gelegt. Warum ist der pad gGmbH das Thema so wichtig?

Vereine, soziale Träger oder Initiativen sind unverzichtbarer Bestandteil einer Zivilgesellschaft, ohne die Demokratie nicht überleben kann. Der pad e.V. – unsere frühere Rechtsform – wurde 1990 gegründet, um kollektiv Einfluss auf die sozialpädagogische Wahrnehmung von Drogen zu nehmen. Unser Verein war damit bereits Teil einer aktiven Zivilgesellschaft. Schon damals war klar, dass soziale Träger nie wertfrei oder neutral sind. In den Jahren danach wuchs unser Träger in verschiedenen Bereichen der Jugendhilfe. Dort bilden die Grund- und Menschenrechte einen zentralen rechtlichen Maßstab. In verschiedene Projekten wurde und wird für ein offenes und solidarisches Gemeinwesen eingetreten. Wir beziehen Position gegen gesellschaftliche Ausgrenzung, auch im Sinne unserer Mitarbeitenden und der Menschen, die wir in unseren Projekten und Einrichtungen begleiten. Aus dem Querschnittsthema, das uns seit Gründung begleitete, wurde konsequenterweise ein eigener Bereich im Träger, der nun auch in andere Tätigkeitsbereiche strahlt.

 

Der Träger ist schon lange in Lichtenberg aktiv. Gibt es, mit Fokus auf die Themen von Licht-Blicke, Besonderheiten an der Arbeit in Lichtenberg? Welche spezifischen Herausforderungen oder Chancen gibt es?

In Lichtenberg gab es in der Vergangenheit immer wieder Bestrebungen extrem rechter Akteure eine Dominanzkultur aufzubauen. Langfristig sind sie daran nicht zuletzt durch eine aktive Zivilgesellschaft gehindert worden. Es gibt in Lichtenberg eine enge Verzahnung von verschiedenen Menschen, die sich für ein solidarisches Lichtenberg einsetzen. Auch unsere Projekte und Einrichtungen sind Teil dieses Netzwerkes.

Herausforderungen sehen ich aktuell weniger bei organisierten Akteuren der extremen Rechten als bei der Zunahme von ausgrenzenden Einstellungsmustern in der Bevölkerung. Rassismus ist noch immer ein präsentes Problem. Ebenso hat die Corona-Pandemie gezeigt, dass verschwörungsideologische und antidemokratische Einstellungen präsenter werden.

Die pad gGmbH ist u.a. Teil des Netzwerkes “Berlin gegen Nazis”