Ende August bis Anfang Oktober 2026 anlässlich des 10. Todestages von Eugeniu Botnari am 20.09.2026.
Eugeniu Botnari starb am 20. September 2016 im Alter von 34 Jahren an den Folgen eines rassistisch und sozialdarwinistisch motivierten Angriffs im Edeka des Bahnhofs Lichtenberg.
Der Filialleiter hatte ihn am 17. September des Ladendiebstahls bezichtigt – ein Vorwurf, der nie belegt werden konnte – und ihn anschließend brutal angegriffen. Der Täter verschickte später ein Video der Tat an seine Mitarbeiter:innen, versehen mit menschenverachtenden Kommentaren.
Eugeniu Botnari wuchs in Moldawien auf. In Berlin hatte er keinen festen Wohnsitz, sondern kam bei Freund:innen und Verwandten unter. Da er keine Krankenversicherung hatte, ging er aus Angst vor den Behandlungskosten nicht zum Arzt. Als er sich aufgrund der Verschlimmerung seines Zustands doch dazu entschloss, wurde ein akut lebensbedrohlicher Zustand festgestellt. Einen Tag darauf verstarb Eugeniu Botnari.
Der Täter wurde 2017 vor dem Landgericht Berlin wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu einer Haftstrafe von drei Jahren und drei Monaten verurteilt. Obwohl seine Aussagen vor Gericht sein rassistisches und sozialdarwinistisches Weltbild offenbarten, wurde die Tat offiziell nicht als politische Tat anerkannt.
Seit Mai 2025 ist der Vorplatz des Bahnhofs Lichtenberg nach Eugeniu Botnari benannt. Dies war viele Jahre von zivilgesellschaftlichen Initiativen in Lichtenberg gefordert worden.
Mit den Eugeniu Botnari Gedenkwochen setzen wir ein Zeichen gegen Sozialdarwinismus und Obdachlosenfeindlichkeit und Rassismus gegen Rom*nja. Und wir zeigen: Niemand wird vergessen.
Gedenkveranstaltung
Donnerstag, 17.09.2026, 14:30 – 17:00 Uhr
Heute vor zehn Jahren ereignete sich der tödliche Angriff auf Eugeniu Botnari in der Edeka Filiale im Bahnhof Lichtenberg. Auf dem Eugeniu-Botnari-Platz kommen wir zusammen und halten inne. Wir erinnern an das, was passiert ist, und tauschen uns in verschiedenen Gesprächsrunden über das umkämpfte Gedenken an Eugeniu Botnari, über die Situation von Obdachlosen am Bahnhof Lichtenberg sowie die Situation von Rom*nja aus. Die Veranstaltung wird musikalisch gerahmt von Alexei und Paul Geigerzähler.
Eine Veranstaltung der Fach- und Netzwerkstelle Licht-Blicke, dem HINSCHAUEN Kulturfestival zu Obdach- und Wohnungslosigkeit und dem Lichtenberger Register.
Im Anschluss findet ab 17.30 Uhr eine Demonstration in Gedenken an Eugeniu Botnari statt, die am U-Bahnhof Lichtenberg (Ausgang Siegfriedstraße) startet.
Individuelles Gedenken und Blumen niederlegen
Sonntag, 20.09.2026, ab 14:00
Wir rufen alle dazu auf, an Eugeniu Botnaris 10. Todestag, am Sonntag, den 20.09.2026, individuell an Eugeniu Botnari zu gedenken. Legt Blumen oder Schilder am Schild „Eugeniu-Botnari-Platz“ vor dem Bahnhof Lichtenberg nieder und macht so sichtbar, wie viele Menschen weiterhin an Eugeniu Botnari erinnern und diese menschenverachtende Tat nicht vergessen.
Weitere Veranstaltungen:
HINSCHAUEN #3 – Kulturfestival zu Obdach- und Wohnungslosigkeit
28. bis 30. August am Bahnhof Lichtenberg
Der Bahnhofsvorplatz Lichtenberg ist zugleich Treffpunkt für wohnungslose Menschen und Drehkreuz für Pendler*innen – ein idealer Ort, um Schicksale sichtbar zu machen. Die Zahl wohnungsloser Menschen in Deutschland steigt weiter an, ebenso die Dunkelziffer verdeckter Wohnungslosigkeit. HINSCHAUEN will hinsehen, statt wegsehen, und für einen politischen wie gesellschaftlichen Wandel sensibilisieren.
https://www.hinschauen-festival.de/
HINSCHAUEN ist ein Projekt von heesch und ko.
Rundgang: „Das Arbeitshaus Rummelsburg – Arm, ‚asozial‘ und ohne Geschichte? Randgruppen und ihre Verfolgung“
Freitag, 11. September 2026, 16:00 – 18:00 Uhr
Treffpunkt wird nach Anmeldung bekannt gegeben.
Am Tag der Wohnungslosen gibt der Historiker Thomas Irmer einen Rundgang über das Gelände des ehemaligen Arbeitshauses Rummelsburg. Im Mittelpunkt steht die wenig bekannte Geschichte des Arbeitshauses und seiner Insass*innen. Arbeitshäuser wurden zur Unterbringung sogenannter Randgruppen wie Bettelnden, Wohnungslosen und Prostituierten errichtet. Das 1879 eröffnete Arbeitshaus Rummelsburg war die größte Einrichtung dieser Art in Deutschland. Durch einfache körperliche Arbeit sollten die Insass*innen an ein „ordentliches Leben gewöhnt“ werden. Die Nationalsozialisten planten, Rummelsburg zur „Sammelanstalt für Asoziale und Gefährdete aller Art“ auszubauen. Nach 1945 richtete die Volkspolizei dort ein Männergefängnis ein, in das auch politische Oppositionelle inhaftiert wurden. Im Rundgang wird die vielfältige Geschichte des Ortes vom Kaiserreich bis in die Gegenwart beleuchtet.
Anmeldung: mitmachen@licht-blicke.org
Eine Veranstaltung der Fach- und Netzwerkstelle Licht-Blicke.
Vortrag: »Wenn es das Schlaraffenland wirklich gäbe, es wäre unser Volk nicht glücklich darin.« – Anmerkungen zur „deutschen Arbeit“
Montag, 14. September, 19:00 Uhr
Wo: Remise – Madgalenenstraße 19
Im Vortrag wird die Geschichte des ideologems „deutsche Arbeit“ nachgezeichnet, demzufolge die Deutschen eine besondere, vorbildliche Beziehung zur Arbeit haben – was sie vermeintlich von vor allem jüdischen Menschen unterscheidet: Antisemitismus und Arbeitsmoral greifen also ineinander über. Die Nationalsozialisten übersetzten diese Vorstellung in die Verachtung, Verfolgung und Vernichtung arbeitsloser und armer Menschen.
Doch was blieb von den alten Deutungsmustern erhalten? Heute diskutieren wir erneut über „Leistungsbereitschaft“, „Arbeitsunwillige“ und angeblich „faule Arbeitslose“. Sozialchauvinistische Forderungen, wie es soll nur essen, wer arbeitet, oder dass die Deutschen „wieder mehr arbeiten“ müssten, knüpfen dabei an eine lange Geschichte der Moralisierung von Arbeit an. Der Vortrag fragt deshalb nach den ideologischen Linien. Er nimmt die Verachtung von Faulheit, Arbeitslosigkeit und Müßiggang als roten Faden, um die deutsche Arbeitsideologie historisch zu rekonstruieren und ihre Wirkung in der Gegenwart zu analysieren.
Nikolas Lelle arbeitet seit 2020 bei der Amadeu Antonio Stiftung und beschäftigt sich vornehmlich mit Antisemitismus, der Erinnerung an den Nationalsozialismus und „deutscher Arbeit“. Zuvor promovierte er – nach einem Studium der Philosophie und Soziologie in Frankfurt am Main und Mainz – an der Humboldt Universität zu Berlin in der Sozialphilosophie.
Eine Veranstaltung der Gedenkinitiative Eugeniu Botnari in Kooperation mit der Fach- und Netzwerkstelle Licht-Blicke.
Gespräch: „Ignoranz, Gewalt und fehlende Solidarität – Perspektiven wohnungsloser Menschen“ mit Janina (Wohnungslosen_Stiftung) und Bülent (strassenfegerMAG)
22. September – 18 Uhr Küfa, 19 Uhr Veranstaltungsbeginn
Wo: Maggie – ein Raum für deine Ideen – Frankfurter Allee 205 (U Magdalenenstraße)
Wohnungs- und obdachlose Menschen sind beinahe täglich Erniedrigungen und Gewalt ausgesetzt: Diese Gewalt reicht von Beleidigungen und dem Umtreten des Kaffeebechers über Tritte vors Schienbein, Vandalismus, Brandstiftung bis zu schwerer und teils tödlicher Gewalt. Ein Todesopfer sozialdarwinistischer Gewalt ist Eugeniu Botnari, der vor genau zehn Jahren in Lichtenberg getötet wurde.
Eine gesellschaftliche Debatte bleibt trotzdem in vielen Fällen aus. Findet sie doch statt, so wird sie meist ohne die Betroffenen geführt. Dazu wollen wir ins Gespräch kommen. Auf dem Podium berichten Bülent und Janina von ihren Erfahrungen und diskutieren, welche Bedarfe bestehen. Beide wissen genau, wovon sie sprechen: Bülent verkauft in Moabit das strassenfegerMAG. Janina war obdachlos und engagiert sich seit einiger Zeit bei der Wohnungslosen_Stiftung und beim Frauen*Salon, einer Initiative wohnungsloser Frauen*.
Vor Veranstaltungsbeginn organisieren wir ab 18 Uhr eine Küfa. Ihr seid herzlich zum gemeinsamen Essen eingeladen!
Eine Veranstaltung der Gedenkinitiative Eugeniu Botnari und der Fach- und Netzwerkstelle Licht-Blicke in Kooperation mit der Wohnungslosen_Stiftung und dem strassenfeger e.V..
Stadtspaziergang im Weitlingkiez: Rechte Gewalt und zivilgesellschaftlicher Widerstand
Freitag, 25.09.2026, 16:00 Uhr – 19:00 Uhr
Treffpunkt wird nach Anmeldung bekannt gegeben.
Wer war Eugeniu Botnari? Warum galt dieser Kiez einst als Nazi-Hochburg? Wie hat sich die Zivilgesellschaft dagegen gewehrt? Was hat sich verändert, und was ist gleichgeblieben? Diese Fragen stehen im Zentrum des interaktiven Stadtrundgangs, der mit der App „Actionbound“ durchgeführt wird. Der Weitlingkiez hat viele Geschichten zu erzählen – von rechter Gewalt, sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart, aber auch von mutigem zivilgesellschaftlichem Engagement und erfolgreichem Widerstand. Gemeinsam wollen wir an die Todesopfer rechter Gewalt erinnern und das Bewusstsein für die Themen Obdachlosenfeindlichkeit, Sozialdarwinismus, Rassismus und für unsere eigenen Handlungsmöglichkeiten schärfen.
Anmeldung: mitmachen@licht-blicke.org
Eine Veranstaltung der Fach- und Netzwerkstelle Licht-Blicke und dem Medienkompetenzzentrum Lichtenberg.
Podiumsgespräch: „Mehr Fragen als Antworten – Gedenken an Todesopfer sozialdarwinistischer Gewalt“
mit den Gedenkinitiativen für Günter Schwannecke, Emil Wendland und Kurt Schneider sowie der Rechtsextremismusforscherin Viktoria Kamuf
Montag, 5. Oktober. 19:00 Uhr
Wo: Türrschmidtstr. 1 (S Rummelsburg bzw. 10 Min. zu Fuß vom S Ostkreuz)
Gerade bei Todesopfern sozialdarwinistischer Gewalt stehen Gedenkinitiativen vor großen Herausforderungen: Oft ist nur wenig über ihre Lebensgeschichten bekannt – manchmal noch nicht einmal der Name. Nur selten besteht Kontakt zu Angehörigen und Weggefährt*innen. Und während an manchen Orten jährlich an die Ermordeten erinnert wird, stellen andere Gedenkinitiativen ihre Aktivität nach einiger Zeit wieder ein.
Vor diesem Hintergrund stellen sich ganz grundlegende Fragen:
Wie sieht ein angemessenes Gedenken aus? Wie können wir an Menschen erinnern, über die uns nur wenig bekannt ist? Was geschieht, wenn kein Kontakt zu Angehörigen und Weggefährt*innen besteht – und was, wenn sie sich gegen das Gedenken aussprechen?
Über alledem schwebt die Frage: Warum gedenken wir? Und was passiert, wenn politische Forderungen erreicht sind?
Als Abschluss der Gedenkwochen für Eugeniu Botnari, der vor genau zehn Jahren in Lichtenberg getötet wurde, wollen wir diese Fragen im Rahmen einer Podiumsdiskussion besprechen. Für das Gespräch, Eure Fragen und Gedanken stehen bereit:
- die Gedenkinitiative Günter Schwannecke
- die Gedenkinitiative Emil Wendland (angefragt)
- die Gedenkinitiative Eugeniu Botnari
- die Rechtsextremismusforscherin Viktoria Kamuf.
Eine Veranstaltung der Gedenkinitiative Eugeniu Botnari und der Fach- und Netzwerkstelle Licht-Blicke.
Die Teilnahme an allen Veranstaltungen ist kostenfrei.
Weitere Informationen, Hintergründe und multimediale Inhalte zum Fall Eugeniu Botnari bietet das digitale Erinnerungsprojekt unter www.botnari.de.