An wen wollen wir erinnern? Recherchen

Frieda Coppi, geb. Schoen – Schneiderin, Kommunistin, Betreiberin einer Eisdiele in Tegel

22. September 1884 in Berlin – 8. Februar 1962 in Lichtenberg

Frieda Coppi betrieb eine Eisdiele in Tegel, die als geheimer Treffpunkt von Widerständigen diente. Seit Beginn der 1950er Jahre lebte sie mit ihrem Mann und Enkelsohn Hans Coppi in Karlshorst und arbeitete an der Hochschule für Ökonomie und Wirtschaft als Studentenbetreuerin.  

Viele liebe Freunde, mit denen ich im September 1942 verhaftet war, mussten ihr Leben mit meinen Kindern in den Klauen dieser Banditen lassen. Umso freudiger begrüße ich nun die Lebenden, soweit sie sich wieder zusammen finden, um das Ziel zu erreichen, das den Toten leider versagt war“ [1]

Frieda Schoen stammte aus einer Arbeiterfamilie und wuchs nach dem Tod ihrer Eltern bei Pflegeeltern auf. Nach dem Abschluss der Volksschule besuchte sie eine Fortbildung im städtischen Waisenhaus zur Vorbereitung auf ihre folgende Lehre als Schneiderin. Während ihrer Ausbildung lernte sie ein Jahr in Paris, danach arbeitete sie als Schneiderin in Heimarbeit. 1906 heiratete sie Robert Coppi, mit dem sie zwei Söhne bekam und mit dem sie zunächst im Wedding lebte.

Zum Ende des Ersten Weltkrieges 1918/1919 besuchte sie Demonstrationen der Novemberrevolution. 1930 trat sie in die Kommunistische Partei (KPD) ein und engagierte sich in der Roten Hilfe, einer 1924 gegründeten, der KPD nahen Solidaritätsorganisation für in Not geratene Arbeiter:innen. Zwei Jahre nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten übernahm Frieda Coppi eine Eisdiele in Tegel nahe der Gartenkolonie, in der sie mit ihrer Familie lebte. In der Eisdiele fanden geheime Treffen statt, an denen auch Frieda Coppi teilnahm. In der Gartenkolonie unterstützte sie andere Familien und kümmerte sich um die Kinder.

Über ihren Sohn Hans und ihre Schwiegertochter Hilde Coppi hatte Frieda Verbindungen zur Widerstandsgruppe „Rote Kapelle“. Nach dem Aufdecken der Gruppe wurde auch Frieda Coppi im September 1942 festgenommen und im Polizeigefängnis am Alexanderplatz inhaftiert, kam aber kurz darauf wieder frei. Nach ihrer Freilassung kümmerte sie sich um ihren inhaftierten Sohn und ihre Schwiegertochter, ebenso wie um Hedwig Raasch, die kranke Mutter von Hilde Coppi. Nach der Ermordung ihrer Schwiegertochter Hilde durch die Nazis im August 1943 soll Frieda Coppi ihren Enkelsohn Hans zu Hedwig Raasch gebracht haben. Nach deren Tod 1944 soll sie ihn  bei Freund:innen in Lehnitz bei Oranienburg in Brandenburg bis Kriegsende versteckt haben. Nach Kriegsende nahm sie ihren Enkel zu sich. Bis Ende der 1940er Jahre lebten sie in der im Krieg zerstörten Gartenlaube in Tegel, ehe sie nach Karlshorst zogen. Hier arbeitete Frieda Coppi an der Hochschule für Ökonomie (HTW) und betreute Studierende. Bestattet wurde Frieda Coppi neben ihrem Mann in der Grabanlage Pergolenweg auf dem Friedhof Friedrichsfelde.

In Karlshorst war seit 1958 eine Schule nach ihrem Sohn Hans Coppi benannt. Seit 1994 heißt sie Hans-und-Hilde-Coppi-Gymnasium. Mehrere Straßen in Lichtenberg sind nach Mitgliedern der „Roten Kapelle“ benannt, darunter auch die Coppistraße. An Frieda Coppi gibt es bisher keine Erinnerung im öffentlichen Raum.

Quellen:

  • BVVdN (Hrsg.): Widerstand in Berlin gegen das NS-Regime 1933 bis 1945. Ein biographisches Lexikon. Berlin 2017.
  • Regina Griebel, Marlies Coburger, Heinrich Scheel: Erfasst? Das Gestapo-Album zur Roten Kapelle. Eine Foto-Dokumentation. Berlin 1992.
  • Hans Coppi: Dem Leben zugewandt. In: https://www.stiftung-20-juli-1944.de/lebendiges-archiv/dem-leben-zugewandt
  • Nachlass von Greta Kuckhoff im Bundesarchiv, N2506/29

[1]Frieda Coppi 1946 in einem Brief an Greta Kuckhoff. Nachlass von Greta Kuckhoff im Bundesarchiv, N2506/29.

Dieser Beitrag ist Teil des Projekts Widerständige Frauen gegen den Nationalsozialismus in Lichtenberg des Runden Tisches für Politische Bildung Lichtenberg in Kooperation mit der Zeithistorikerin Trille Schünke-Bettinger (Antifaschistinnen aus Anstand & Netzwerk Frauentouren) und Fritzi Jarmatz (Visuelle Kommunikation & Ideenräume). 

Text & Recherche: Trille Schünke-Bettinger

Grafik: Fritzi Jarmatz 

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